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Samoskworetschje: Moskaus Viertel südlich des Flusses

Samoskworetschje ist das historische Viertel südlich der Moskwa, dessen Name wörtlich „jenseits der Moskwa“ bedeutet. Seine Identität entstand aus der Lage außerhalb des ältesten befestigten Zentrums: Auf der anderen Flussseite entwickelten sich Siedlungen, Straßen und später ein dichtes Handels- und Handwerksgebiet. Heute lässt sich diese Geschichte zwischen dem Flussufer, der Pjatnizkaja-Straße, der Großen Ordynka und den Gassen um die Lawruschinski-Gasse ablesen.

Lage und Name des Viertels

Der Fluss Moskwa bildet im Zentrum eine klare Grenze und zugleich eine Verbindung. Wer von Kreml und Rotem Platz nach Süden blickt, sieht jenseits des Wassers den Bereich, der als Samoskworetschje bekannt wurde. Die Bezeichnung ist geografisch anschaulich, aber nicht deckungsgleich mit einem einzelnen Verwaltungsbezirk. Das historische Viertel umfasst Straßen und ehemalige Siedlungsbereiche mit jeweils eigener Entwicklung. Die benachbarten Stadtviertel Moskaus zeigen weitere historische Siedlungsräume; der Nahverkehr in Moskau verbindet beide Flussufer.

Das Viertel bewahrt schmale Straßen, gewundene Gassen und Innenhöfe. In den Seitengassen liegen alte Kammern und Durchgänge; entlang der historischen Wege stehen mehrere bedeutende Kirchen. Der Museumsrundgang durch Kadaschi und den Tschernigowski-Gang führt zum Klement-Kirchlein, zu den Kirchen der Tschernigower Wundertäter und zur Auferstehungskirche in Kadaschi. Diese Orte machen den kleinteiligen Aufbau des Quartiers sichtbar.

Straßen, Siedlungen und Kaufleute

Die großen Straßen dienten als Achsen zwischen den südlichen Stadttoren und dem Zentrum. Pjatnizkaja und Bolschaja Ordynka verbinden den Bereich mit Plätzen, Kirchen und ehemaligen Siedlungszentren. In den Seitenstraßen ist der Maßstab kleinteiliger: Hinter den Hauptachsen liegen Höfe, Wohnhäuser und ehemalige Anwesen, die von der langen Mischung aus Gewerbe, Religion und Wohnen zeugen. Die Gassen um Kadaschi und den Tschernigowski-Gang bewahren Höfe, Wohnhäuser und Kirchen. Diese kleinteilige Bebauung verbindet die früheren Wohn- und Gewerbestraßen mit dem religiösen Leben des Viertels.

Viele Siedlungen waren nach den Tätigkeiten ihrer Bewohner benannt. Solche Namen blieben in Kirchenbezeichnungen und Straßenbezügen erhalten, auch als die ursprüngliche Wirtschaftsstruktur sich wandelte. Handwerker und Kaufleute prägten das soziale Leben und den Grundriss: Parzellen, Gassen und Sakralbauten bildeten zusammenhängende Quartiere statt einer einheitlichen repräsentativen Achse. Bei einem Spaziergang lohnt daher der Blick auf Übergänge zwischen Hauptstraße und Nebenstraße, auf Toreinfahrten und auf die freistehenden Kirchtürme, die über die niedrigere Bebauung hinausragen.

Tretjakow-Galerie und die Kunstlandschaft

Ein prägender Ort des Viertels ist die Staatliche Tretjakow-Galerie in der Lawruschinski-Gasse. Die Familie Tretjakow kaufte dort 1851 ein Haus; Pawel Tretjakows erste Erwerbung eines Gemäldes russischer Malerei von Wassili Chudjakow im Jahr 1856 gilt als Gründungsdatum der Sammlung. Als die Bilderzahl wuchs, wurden Wohnräume schrittweise durch eigens gebaute Galerieräume ergänzt. 1874 öffnete die Galerie für Besucher, und der von Wiktor Wasnezow entworfene Fassadenbau wurde 1902 bis 1904 ausgeführt.

Das Museum ist damit zugleich Kunstsammlung und Teil der Ortsgeschichte. Die Entwicklung vom privaten Wohnhaus zur öffentlichen Galerie spiegelt die Rolle des kaufmännischen Mäzenatentums im Moskau des 19. Jahrhunderts. Das Hauptgebäude der Tretjakow-Galerie befindet sich in der Lawruschinski-Gasse; die Neue Tretjakow-Galerie ist ein eigenständiger Museumsstandort am Krim-Ufer.

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Kirchen, Höfe und Stadtbild

Sakralbauten sind wichtige Orientierungspunkte im Viertel. Die Kirche der Auferstehung in Kadaschi verweist auf die frühere Kadaschjowskaja-Sloboda und bildet mit ihrer dekorativen Architektur einen der markanten historischen Akzente. Weitere Kirchen entlang der Ordynka und in den Seitengassen erzählen von den unterschiedlichen Gemeindebezirken der ehemaligen Siedlungen. Die Übersicht zu Kirchen in Moskau bietet den größeren Zusammenhang; für eine Route durch den Süden des Zentrums ist entscheidend, die Kirchen als Teile ihres jeweiligen Quartiers wahrzunehmen.

Das heutige Bild enthält mehrere Zeitschichten. Neben älteren Sakralbauten stehen Wohn- und Geschäftsgebäude späterer Epochen; breite Verkehrsachsen treffen auf Gassen, die ihre historische Linienführung bewahrt haben. Stadtumbau hat den Bestand verändert, doch die Kombination aus niedrigerer Bebauung, Höfen und Kirchtürmen unterscheidet Samoskworetschje von den monumentaleren Räumen rund um Kreml und Roter Platz. Am Flussufer öffnet sich das Viertel zugleich zur modernen Innenstadt und zu den gegenüberliegenden historischen Zentren.

Eine Route durch Samoskworetschje

Ein kompakter Rundgang kann am Fluss beginnen, über die Pjatnizkaja-Straße in die Seitenstraßen führen und bei der Tretjakow-Galerie enden. So wird die Lage „jenseits des Flusses“ zuerst im Stadtraum sichtbar und anschließend in den Straßen und Institutionen des Viertels konkret. Wer mehr Zeit hat, kann Richtung Große Ordynka weitergehen und die sakralen Orte mit den Spuren ehemaliger Sloboden verbinden. Die Reihenfolge lässt sich je nach Interesse an Kunst, Stadtgeschichte oder Architektur anpassen.

Samoskworetschje vereint Flusslage, frühere Siedlungen, Handelsstraßen, Gemeindekirchen und eine der wichtigsten russischen Kunstsammlungen in einem Stadtraum. Wer beim Gehen auf Straßennamen, Maßstab und Sichtachsen achtet, erkennt, wie sich Moskau südlich der Moskwa aus einer befestigungsnahen Vorstadt zu einem eigenständigen innerstädtischen Viertel entwickelte.